Historisches

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Eine überaus reizvolle Landschaft

In romantischem Überschwang sagt der Altmeister der Heimatkunde zwischen Weser und Ems, Pastor Karl Woebcken, in seinen „Oldenburger Wanderungen" von 1923 über Stenum die folgenden Sätze. „Das Hünengrab in Stenum ist nur der Rest eines solchen. die ursprüngliche Anlage ist nicht mehr zu erkennen. Eine Eiche wächst mitten zwischen den Steinen und überschattet sie. Eines hat dieses Denkmal anderen, größeren und besser erhaltenen, voraus. Es besitzt einen Fernblick, wenigstens nach einer Seite. - Weithin schweift der Blick über die Kornfelder. Unten im Tal liegt Stenum, am Waldesrand, fast vergraben unter Lindenbäumen. Sei mir gegrüßt du deutsches Land Du schönstes Land von allen!

Seit zum ersten Mal eines Menschen Fuß sich hierher verirrte, seit der erste Anwohner die Pfähle seiner Hütte einschlug, haben sie diesen Flecken Erde lieb gehabt. Nie wieder hat er wüst und leer gelegen, nie sind sie alle in die Ferne gezogen, einer neuen Heimat entgegen.

Ein volles Jahrhundert vorher schreibt Pastor Greverus in seiner Kirchenchronik: „Stenum - liegt in einer schmalen Niederung zwischen hohem Feldacker und unkultivierten sandigen Heidhöhen. - Das Stenumer Holz in seinem Rücken".

In der „Heimatkunde des Herzogtums Oldenburg" von 1913 stellt H. Schütte fest:  „Am Nordostrand der Delmenhorster Geest - tritt fast überall Grundmoränenlehm und schwarzer Ton, hier Dwo genannt, zu Tage. - Die Grundmoräne in Form von Geschiebelehm ist aber auf der Delmenhorster Geest viel weiter verbreitet. Sie bildet einen vorzüglichen Waldboden, und daher haben wir gerade in dieser Gegend große und prächtige Laubwaldungen. Die teils schon durch das Eis und seine Schmelzwasser modellierten Höhen treten infolge der tief eingewaschenen Bachtäler noch plastischer hervor und formen mit ihrer Waldbedeckung im Wechsel mit den halb in Baumgruppen versteckten Ortschaften und ihren meist hochgelegenen Ackerfluren eine überaus reizvolle Landschaft."

Ähnlich klingt es im „Oldenburger Wanderbuch" noch 1951: „Stenum liegt in einer Einbuchtung des Geestrandes am Abhang gegen die Weserniederung. Der Geestrand hat eine ziemliche Höhe. Die Einbuchtung, die sich aufwärts in mehrere kleine Täler verzweigt, gibt der Landschaft den Charakter eines Hügellandes.

Und ein „Führer durch die Gemeinde Ganderkesee" von 1929 meint:

„Märchenhaft schön ist der Stenumer Wald in der rotglühenden Pracht des Herbstes".

Wollen wir es bei dieser Aufzählung, die durchaus noch fortgesetzt werden könnte, belassen. Man ist sich einig. Der Stenumer Raum ist eine reizvolle Landschaft. Und so empfinden es sicherlich auch die vielen tausend Besucher, die seit Generationen Jahr für Jahr Stenum und seine Umgebung besuchen.

Beschäftigen wir uns einmal näher mit dieser Landschaft. In einem unendlich langen Zeitraum hat der Weserfluß sein breites Urstromtal ausgewaschen. Dort wo die Macht des Wassers endete, ist der Rand der hohen Geest noch heute als deutliche Stufe sichtbar. Westlich der Weser ist der Geestrand zwischen Hude und Dwoberg am ausgeprägtesten. Im Stenumer Raum kennzeichnen ihn schon die Orts- und Flurbezeichnungen. Genannt seien Hohe Heide, Kiekut, Hohenkamp und Hohenborn. Zwischen die beiden zuletzt genannten Höhen schiebt sich die durch die Namen Schierbrok, Sahren und Kehnmoor gekennzeichnete, vorstehend erwähnte Einbuchtung in den Geestrand. Die in diese Niederung einmündenden Täler sind Ausspülungen, durch die über lange Zeiträume das sich auf der Geest sammelnde Wasser in die Weserniederung abfloss. Die heutigen Bächlein lassen sich zu den breiten Wiesentälern, in denen sie fließen, kaum in eine Beziehung bringen. Dabei vergisst man, dass sich die Wasserverhältnisse seit etwa einem Jahrhundert grundlegend verändert haben. Auf die Bäche im Stenumer Raum wird noch in einem besonderen Kapitel einzugehen sein.

Dem Geestrand vorgelagert ist zwischen Huchting und Bookholzbcrg eine Talsandfläche, die sogenannte Vorgeest. Sie liegt innerhalb des Weserurstromtales nur geringfügig höher als die übrigen Tallandschaftsformen Marsch und Moor. Im Stenumer Raum gehören Ahrensberg, Kamern, Nutzhorn, Schierbrok und Sahren zur Vorgeest.

Erwähnt sei schließlich noch, dass es in den Wiesentälern und auch auf den Hochflächen in einigen Fällen durch Staunässe zur Bildung von Schlatts, die sich später zum Teil in Kleinmoore verwandelten, gekommen ist. Genannt seien hier die Namen Kehnmoor und Lütje Moor sowie zwei Schlatts im Sandgebiet westlich der Wolfskuhle.

Anschließend sei noch kurz auf die Höhenunterschiede im Raume Stenum - Rethorn eingegangen. Der höchste Punkt der nördlichen Delmenhorster Geest liegt mit 37,4 m über NN unmittelbar südwestlich vom Großen Mittelhoop. Beim Kleinen Mittelhoop sind es 3 m weniger. An der Huder Chaussee sind es in Höhe des Mittelhoop 33,4 m. Unmittelbar am Geestrand liegen die Werte niedriger, so auf der Hohen Heide bei 28,5 m, beim Kiekut bei 20,8 m, beim Hohenkamp bei 21,5 m und in Hohenborn bei 23,1 m. Vor dem Geestrand sieht es wie folgt aus: Kamern 7,6 m, Nutzborn 2,8 m, Nutzhorner Feld 5,1 m, Schierbrok-Altengraben 3,6 m, Sahren 4,6 m, Hahlbek 9,3 m.

Sehr unterschiedliche Werte finden sich im Raume Schierbrok-Stenum und im Stenumer Holz. So bei der Schule Schierbrok 7,2 m, Kehnmoor 13,2 m, Bahnhofstraße in Nähe Stenum 10,3 m, Hünengrab 22,2 m, Sonnenheilstätte 30,7 m, südl. Dorfende - Kehnmoorweg 17,2 m. Im Stenumer Holz b. Ort Rethorn 26,8 m, im mittleren Bereich des Waldes zwischen 10 und 12 m, an der Bahnhofstraße zwischen 8 und 10 m, im Westen und Nordwesten 16 bis 25 m.

Die Höhenwerte bestätigen das Bild der Randlage zwischen Flussniederung und hoher Geest. Es ist eine Hügellandschaft mit Tälern, wie im „Oldenhurger Wanderbuch" so schön gesagt wird. 

Quelle: Kurt Müsegades, Stenum-Rethorn-Schierbrok - Dörfer um den Stenumer Wald