Historisches

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Das von der hohen Heide herunterfließende Wasser

Im Jahre 1740 spricht der Landmesser Richertz von dem sich im Moorgraben bei Schönemoor „versammelnden Wasser, das von der hohen Heide herunterfließt“. Er meint damit das im Stenumer Raum auf der hohen Geest anfallende Oberflächenwasser, das durch die verschiedenen Bäche der Schierbrok-Stenumer Bucht zu Tale fließt.

Vor der Besiedlung der Stedinger Brookseite, über die wir durch Urkunden von 1142 und 1149 gut informiert sind, wird das Wasser von der hohen Geest auf den von der Natur vorgegebenen Wegen direkt in die Sümpfe der Brookseite geflossen sein. Die Besiedlung und Kultivierung des Sumpflandes aber setzte voraus, dass der Lauf des Wassers in geregelte Bahnen gelenkt wurde. Nur wenn das Oberwasser aus der Brookseite ferngehalten werden konnte, war das Land zu nutzen. Deshalb legten die im Wasserbau erfahrenen Kolonisatoren aus Holland vermutlich schon mit der Besiedlung von Schönemoor den Moorgraben und den Moorgrabendeich an. Künftig floss das Oberwasser durch den Moorgraben und weiter mit der Delme und Ochtum direkt in die Weser.

Schwierigkeiten gab es nur, wenn der Abfluss in den Strom durch Hochwasser behindert wurde oder wenn Eisdämme bei einsetzendem Tauwetter den Ablauf überhaupt verhinderten. Bei einem solchen Rückstau war der Brook südlich vom Moorgrabendeich das Auffangbecken für das Oberwasser. Ältere Einwohner erinnern sich noch gut, dass sich der Brook bis in die 40er Jahre unseres Jahrhunderts fast Jahr für Jahr für einige Zeit in einen See verwandelte. Setzte dann Frost ein, so hatte die Jugend eine ideale Eislauffläche.

War auch der Brook mit Wasser gefüllt, dann staute sich dieses bereits weiter oberhalb und füllte auch das kleinere Rückhaltebecken, das im Norden vom Nutzhorner Feld, im Süden vom Sahrener Feld und im Westen vom Stenumer Wald begrenzt wurde und den Namen Schierbrok trug. Unsere Vorfahren zögerten sehr lange mit der Besiedlung dieser Niederung, weil sie wußten, dass sie dort immer wieder „nasse Füße“ bekommen würden.

Erst die Vertiefung der Weser durch die sogenannte Weserkorrektion zwischen 1883 und 1895 verbesserte die Situation, ohne das Wasserproblem völlig zu lösen. In Schierbrok standen bis in die letzten Jahrzehnte hinein immer wieder große Flächen für einige Zeit unter Wasser.

Der Anfall von Oberwasser nahm im übrigen mit der zunehmenden Kultivierung der Geest deutlich zu. Das sahen die Stedinger mit Sorgen. So klagen sowohl der Altenescher Pastor Steinfeld als auch der Stedinger Chronist Bulling, dass „durch die größere Kultivierung der Moore und Heyden dem Stedingerland immer mehr Wasser zugeführt“ werde.

Quelle: Kurt Müsegades, Stenum-Rethorn-Schierbrok - Dörfer um den Stenumer Wald