Historisches

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Die Bäken

Betrachten wir einmal jene Bäche, die das Oberwasser zu Tale befördern. Dabei geht es nicht um das Bild, das die Wasserverhältnisse im Stenumer Raum nach den vielfältigen Wasserbaumaßnahmen der letzten Jahre bieten. Nehmen wir den Zustand vor dieser Zeit.

Da ist zunächst die Hahlbäke, die das Wasser aus dem Raum Wiedau/ Trendelbusch sammelt, ihren Namen auf den Hof Hahlbek überträgt und dann im Hof Sahren vorbei durch den westlichen Brook zum Moorgraben fließt. Ihren Namen trägt sie vermutlich, weil sie ein tief eingeschnittener, also hohler Bach ist. Für ihren oberen Lauf gilt das noch heute. 1985 ist das Hahlbäke-Tal in die Liste der Naturdenkmale aufgenommen worden, weil dort „eines der letzten naturnahen Gewässer“ der Gemeinde fließt. 1894 erwähnt Buchenau das Tal als eine Schlucht bei Wiedau“, und die Anwohner des Trendelbuscher Weges sprechen auch wohl von der „Augustenschlucht“, ohne zu verraten, welche Auguste dafür den Namen gegeben hat.

Auf jeden Fall aber ist das Hahlbäke-Tal in einer Zeit, die fast nur noch kanalisierte Bäche kennt, ein sehens- und erhaltenswertes Stück Heimat. Wir sehen hier, mit welcher Kraft sich das Wasser im Laufe langer Zeiten in den Geestrand eingearbeitet hat, und wir sehen an den Ufern ein reiches Pflanzenleben.

Erwähnt wurde bereits, dass der Name Wiedau als eine Aue mit Weidenbüschen gedeutet wird. Da sich ein anderes Auetal in diesem Raum nicht findet, könnte die Hahlbäke einst die Wied-Aue gewesen sein.

Im amtlichen Register ist als weiterer Bach der „Wasserzug von Steenhafe“, einmündend in die Schierbroker Bäke, verzeichnet. Die Anwohner bezeichnen ihn einfach als „Bäke“. Auf alten Karten aber ist der Name „Steenbäke“ vermerkt. Und in einem Verzeichnis der Rechte des Gutes Elmeloh von 1816 wird gesagt, dass die Vieh- und Schaftrift „bis an die Steenbäke“ gehe.

Das breite Tal nördlich des Hofes Steenhafe, in dem das Bächlein „Steenbäke“ fließt, steht in keinem Verhältnis zum heutigen schmalen Wasserzug. Sicherlich ist die Steenbäke, die nicht nur vom Oberflächenwasser sondern auch von einigen Quellen gespeist wurde, einst von wesentlich größerer Bedeutung gewesen. Heute quert sie mit zwei Armen den Kehnmoorweg und fließt dann in die Schierbroker Bäke.

In der Niederung nördlich Steenhafe wird vor Zeiten der Flurname Jericho erwähnt. Er geht vielleicht auf einen bibelfesten Besitzer zurück, der die Steenbäke als seinen Jordan betrachtete und am anderen Ufer sein Jericho liegen sah.

Weitere Zuflüsse zur Schierbroker Bäke kommen aus dem Stenumer Holz. Sie bilden sich innerhalb des Waldes aus einer ganzen Anzahl von Rinnsalen und werden insbesondere auch von mehreren eisenhaltigen Quellen gespeist. Bezeichnet werden sie, ohne besondere Namen, als Bäken.

Bevor diese den Wald an seiner Nordostecke verlassen, vereinigen sie sich zu einem Wasserzug. Dieser begleitet dann die Bahnhofstraße an ihrer Nordseite bis in die Nähe des Bahnhofs.

Dort mündeten bis vor einigen Jahren die beiden Bäche an der Nord- und an der Südseite der Bahnhofstraße und ein weiterer vom Bremer Weg kommender Wasserzug ineinander und unterquerten als „Schierbroker Bäke“ gemeinsam den Bahndamm. Auf der Südseite begleitete diese die Bahnhofstraße bis zum Grundstück des Hofes Schulte. An der westlichen Grundstücksgrenze entlang bog die Schierbroker Bäke dann auf den Hof Fastenau zu, unterquerte bei diesem die Nutzborner Straße und vereinigte sich unmittelbar danach mit der Kamerner Bäke. Der dort erhaltene Flurname „Schloß“ dürfte mit der Einmündung im Zusammenhang stehen. Unter der Bezeichnung Kamerner Bäke flossen beide Wasserzüge gemeinsam in den Brook und mündeten dort nach einigen hundert Metern in den Moorgraben oder Kanal.

Der Gasthof "Zur Eiche" in Schierbrok am Bahnhof, etwa 1925.

Davor der breite Graben an der Südseite der Bahnhofstraße.

Die vorstehend erwähnte Kamerner Bäke entwässert den Raum Kamern— Rethorn. Die ursprünglichen Gegebenheiten in den Wasserverhältnissen dieser Gegend sind nicht mehr aufzuklären. Schröer vertritt die Auffassung, dass hier in früheren Zeiten mehrere Bäche ihr Wasser der Hörspe und damit der Stedinger Brookseite auf direktem Wege zugeleitet haben. Mit dem Anwachsen des Hochmoores sei schließlich der Wasserablauf so erschwert worden, dass nur noch der Weg in Richtung Osten über die heutige Kamerner Bäke möglich war.

Es ist aber auch die Möglichkeit gegeben, dass der Weg zur Hörspe im Rahmen der Wasserbaumaßnahmen, die der Anlage der Hollerkolonie Schönemoor rangingen, abgesperrt wurde, um den Wasserzufluss in die Stedinger Brookseite zu vermindern.

Für diese Annahme könnte eine Nachricht aus dem Jahre 1885 sprechen. Der amtliche Bericht besagt, dass die Kamerner Bäke „eine mangelhafte Wasserzucht mit vielen Krümmungen, mit Busch und Bäumen bewachsen“ sei. Weiter wird ausgeführt, dass die Bäke sich in den Wischen nördlich vom Hof Kamern staue. Diese Niederung werde auf ihrer Nordseite durch einen Deich begrenzt, der in früherer Zeit vom Stedinger Land unterhalten worden sei. Der Deich der Kamerner Bäke wird auch schon bei der Gemeinheitsteilung im Jahre 1845 erwähnt.

Der Deich hat also die Aufgabe gehabt, den natürlichen Ablauf des Wassers in Richtung Hörspe zu unterbrechen. Darauf legten die Stedinger Wert, sonst hätten sie die Deichunterhaltung nicht übernommen. Noch heute ist die Kamerner Bäke die Grenze zwischen dem Entwässerungsverband Stedingen und dem Ochtumverband.

Die Abführung des Wassers über die Kamerner Bäke in Richtung Osten zum Moorgraben muss schon vor langer Zeit geregelt worden sein. Auf einer Karte, bald nach 1700 entstanden ist, wird der „Kamerner Bach“ bereits mit seinem heutigen Verlauf verzeichnet. Dort, wo das Nutzhorner Feld endet, hat man ihm allerdings die Bezeichnung „Hohlbach“ gegeben. 1793 wird die „Cammerbäke“ erwähnt und Bulling sagt 1830 in seiner „Geschichte des Stedinger Deichbandes“, die Cammerbäke sei der Obenauf des Moorgrabens. 

Die Zerstörung des Geestrandes bei Rethorn—Kamern durch die Ausbeutung der Ton- und Sandlager hat uns die Möglichkeit genommen, den Verlauf der verschiedenen Zuflüsse zur Kamerner Bäke zu beschreiben. Dass der Wasserablauf durch die Ton- und Sandgruben wesentlich verändert wurde, ergibt sich z.B. aus einer Überlieferung, nach der vor etwa einem halben hundert das Oberflächenwasser aus dem Raum Kiekut mittels einer "Holzrutsche" wie ein Wasserfall in die Sandgrube geleitet wurde, um den am Rande der Grube verlaufenden Pappelweg nicht zu beschädigen.

Zwei Zuflüsse zur Kamerner Bäke sind aber noch in ihrem natürlichen Verlauf erhalten. Der eine ist die sogenannte „Pürsch“, die sich als Taleinschnitt vom Kiekut her durch die „Grüne Senke“ zur Kamerner Bäke hinzieht. Sie führt nur bei erheblichem Zulauf das Wasser zu Tal. Im allgemeinen aber liegt sie trocken. Im Anfang unseres Jahrhunderts erwähnt der Flurnamenforscher Ramsauer in Rethorn eine „Piske“, die vermutlich mit der „Pürsch“ identisch ist. Er sagt, dass Piske der übliche Name für solche Wasserzüge sei, die nur bei starkem Regen zu Tale polterten. 

Der zweite Zufluss zur Kamerner Bäke führt keinen besonderen Namen. Er beginnt in Rethorn auf Alfs Wiese und fließt zunächst in den Nordwestzipfel des Stenumer Holzes. Dort fällt noch heute eine „Schlucht“ von einigen Metern ins Auge, in der sich ein Bächlein schlängelt. Vor Jahrzehnten setzte diese „Schlucht“ mit der „Bäke“ sich jenseits des Waldrandes am Birkenweg entlang bis zur Kamerner Bäke bei Nutzhorn fort. Dem Wunsch eines Anwohners, die für seine Zwecke mit einem Stau zu versehen, wurde seinerzeit von der Verwaltung widersprochen. Später wurde der Bach dann verrohrt und die Schlucht zugeschüttet.

Erwähnt sei schließlich noch, dass die Kamerner Bäke, deren Anfänge auf der zwischen Mittelhoop und Kiekut liegen, von der Rethorner und der Kamerner Ziegelei für das Abpumpen des Wassers aus den Tonstichen in Anspruch genommen wurde. Beide hatten erhebliche Wasserprobleme, da sie den Ton auf quelligem Gelände abbauten. Gegen Ende des 1. Weltkrieges wurde einmal eine Quelle angestochen, die meterhoch sprudelte und nur mit Mühe geschlossen werden konnte. Später stand morgens immer einmal wieder der Tonstich voll Wasser. Abgepumpt wurde dann, wenn es erforderlich wurde, oder auch dann, wenn der Verwalter von Gut Nutzhorn darum gebeten hatte, weil die Kamerner Bäke trocken war und er Wasser für das Vieh benötigte. Im übrigen ist der unter der Bahn hindurchführende Tunnel der Ziegelei Kamern zu ihrem ersten Tonstich beim Hof Kamern heute der Durchlass für die Kamerner Bäke.

Quelle: Kurt Müsegades, Stenum-Rethorn-Schierbrok - Dörfer um den Stenumer Wald